Sogar die Buchen sterben an der Trockenheit

 

Selbst heimische Bäume halten der Klimaveränderung nicht stand

 

Stuttgart, 28.07.2020 – Dass in ganz Baden-Württemberg Nadelbäume vertrocknen und dem Borkenkäfer keine Widerstandskraft mehr entgegenzusetzen haben, ist nichts Neues. Doch seit einigen Monaten beobachten Forstbesitzer landauf, landab schwerste Schäden selbst an Buchen, einer Baumart, die seit Jahrhunderten heimisch und prägend für den Mischwald im Lande ist. Egal, ob an der Jagst im Nordosten von Baden-Württemberg, im Ortenaukreis, am Bodensee, rund um Baden-Baden, Ludwigsburg oder im Odenwald, überall lichten sich die Buchenkronen, haben ihr dichtes Blätterdach schon jetzt lange vor dem Herbst verloren, berichtet Forstkammer-Präsident Roland Burger. „Selbst 50 bis 200 Jahre alte Buchen sind aufgrund der seit drei Jahren anhaltenden Dürre und dem starken Befall von Pracht- und Buchenborkenkäfer schwer geschädigt. Weil Buchenholz sehr schnell morsch wird, steigt die Gefahr für Spaziergänger und Waldarbeiter durch herabstürzende Äste.“ Vor allem in Kuppenlagen und Waldflächen, die nach Süden ausgerichtet sind, seien die Schäden enorm. Hier haben große Teile der Buchen Burger zufolge bereits ihre Laubkrone verloren und müssen gefällt werden. Der Präsident der Forstkammer Baden-Württemberg begrüßt deshalb die Initiative von Forstminister Peter Hauk, der sich heute Nachmittag in der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg darüber informiert hat, welche Baumarten am besten geeignet sind, dem Waldsterben vorzubeugen.

 

Über die Forstkammer Baden-Württemberg

Die Forstkammer Baden-Württemberg vertritt die Interessen der privaten und
kommunalen Waldeigentümer des Bundeslandes. In ihrem Eigentum befinden sich dreiviertel der Waldfläche in Baden-Württemberg von insgesamt 1,4 Millionen Hektar. Die Bäume in Baden-Württemberg binden jährlich rund 13 Millionen Tonnen CO2 und sind damit äußerst wichtig für ein gesundes Klima. https://www.foka.de/

 

 

Fact Sheet der Forstkammer Baden-Württemberg, Stand Juli 2020


Die Waldfläche in Baden-Württemberg beträgt insgesamt 1,4 Million Hektar. Die Bäume binden jährlich rund 13 Millionen Tonnen CO2 und sind damit äußerst wichtig für ein gesundes Klima. Einheimische und Touristen gehen gerne im Wald spazieren, joggen und Radfahren. Waldbesitzer erhalten und unterhalten diese Infrastruktur.

 

2020 ist das dritte extrem trockene Jahr in Folge. Rund die Hälfte (43%) der Bäume sind bereits schwer geschädigt. Das derzeit grüne Aussehen täuscht gewaltig. Es ist vergleichbar mit einer gut geschminkten todkranken Patientin. Allein der Orkan Sabine hat landesweit zwischen dem 9. und 11. Februar so viele Bäume entwurzelt, dass mehr als zwei Millionen Kubikmeter zusätzliches Schadholz angefallen sind. Viele der Bäume liegen noch entwurzelt im Wald und bilden einen idealen Nährboden für die weitere ungebremste Ausbreitung des Borkenkäfers.

 

Der Erhalt der Wälder muss unterstützt werden in Form von Ökosystemleistungen, weil sich das Ökosystem selbst nicht mehr trägt. Hier die Fakten, weshalb das unabdingbar ist:

  • Der Holzabsatz ist bereits um rund ein Drittel zurückgegangen. Die Holzpreise sind auf derzeit rund 20 €/fm gesunken, doch die Aufarbeitungskosten betragen rund 25 €/fm. Das heißt: es ist nicht mehr finanzierbar, das Holz aus dem Wald zu schaffen. Die angekündigte Aufarbeitungskostenbeihilfe (5 €/fm) wird nicht mehr ausreichen, den Waldbesitzern das Aufarbeiten des Käferholzes zu ermöglichen. Um die Ausbreitung der Schäden zu bremsen, muss diese Hilfe auf mindestens 20 EUR/Fm aufgestockt werden.
  • Wo das Holz nicht mehr vermarktet oder schnell abtransportiert werden kann, ist die effizienteste und ökologischste Methode, um die Ausbreitung des Käferbefalls zu verhindern, das maschinelle Hacken der kompletten Bäume und das direkte Verblasen der Hackschnitzel zurück in den Wald. Eine Förderung der Vollkosten würde den Schutz der Wälder stärken.
  • Ansonsten kann die Ausbreitung der Borkenkäfer nur durch gezieltes Spritzen des gelagerten Holzes mit Pflanzenschutzmitteln verhindert werden.
  • Holzlagerplätze (Nass- und Trockenlager) außerhalb des Waldes müssen schneller und unkomplizierter genehmigt werden.
  • Auch der Erhalt der Waldwege ist teuer und aufwendig. Wegen den weggebrochenen Holzeinnahmen können die Waldbesitzer die Wegepflege oft nicht mehr finanzieren.
  • Waldbesitzer haben zwar keine besondere Verkehrssicherungspflicht entlang von Wanderwegen, trotzdem werden inzwischen schon Wege durch abgestorbene Wälder für Einheimische und Touristen gesperrt, um die Gefahr von Unfällen zu reduzieren.
  • In Rheinland-Pfalz helfen Soldaten bei der Suche der Borkenkäferbäume. Auch in Baden-Württemberg muss die Politik den Waldbesitzern helfen, um die weitere, ungebremste Ausbreitung des Borkenkäfers abzuschwächen.
  • Ohne eine schnelle und möglichst unbürokratische Umsetzung dieser Maßnahmen kann das Sterben der heimischen Wälder nicht mehr aufgehalten werden und es droht eine Entwaldung wie in Mitteldeutschland. Allein in Hessen liegen derzeit rund 32.000 Hektar Wald kahl, weil durch die niedrigen Holzpreise eine Bewirtschaftung der Wälder und das Investment in notwendige Maßnahmen wie Pflanzungen nicht mehr finanzierbar seien.

 

Ps: Die Forstkammer versendet etwa alle zwei Monate eine Pressemeldung. Wenn Sie keine weiteren Meldungen erhalten möchten, senden Sie bitte ebenfalls kurz eine Mail, damit wir unsere Datenbank aktualisieren können. Auch dafür herzlichen Dank.